Die Schweiz ist einer der attraktivsten Märkte für deutsche und österreichische Online-Shops. Höhere Kaufkraft, bessere Margen, weniger Wettbewerber als in der EU. Trotzdem scheuen viele Händler den Schritt über die Grenze – weil der Schweiz-Import auf den ersten Blick kompliziert wirkt.
Dieser Ratgeber räumt mit den häufigsten Missverständnissen auf und zeigt Schritt für Schritt, was Sie wirklich brauchen, um aus Deutschland oder Österreich in die Schweiz zu verkaufen. Und was Sie sich sparen können.
Warum die Schweiz für DE/AT Online-Shops so attraktiv ist
Die Schweiz ist kein EU-Land – und genau das macht sie interessant. Für Händler, die den Einstieg richtig aufsetzen, entsteht ein deutlicher Margenvorteil gegenüber dem Heimatmarkt.
Die Rechnung ist einfach:
- Rund 25 % höhere Verkaufspreise sind in der Schweiz marktüblich. Schweizer Konsumenten sind an ein höheres Preisniveau gewöhnt und akzeptieren Preise, die in Deutschland oder Österreich als zu hoch gelten würden.
- Rund 11 % weniger Mehrwertsteuer im Vergleich zu Deutschland (19 %) und Österreich (20 %). Der Schweizer Normalsatz liegt bei 8,1 %.
- Rund 25 % höhere Verkaufspreise sind in der Schweiz marktüblich. Schweizer Konsumenten sind an ein höheres Preisniveau gewöhnt und akzeptieren Preise, die in Deutschland oder Österreich als zu hoch gelten würden.
- Abzüglich ca. 5 % Import- und Versandkosten, die durch Verzollung und den grenzüberschreitenden Versand entstehen.
Unter dem Strich bleibt ein Margenplus von rund 31 % gegenüber dem reinen DE/AT-Geschäft.
Dazu kommen 8,7 Millionen potenzielle Kunden, die online genauso einkaufen wie ihre Nachbarn – aber deutlich weniger Anbieter zur Auswahl haben. Wer aus der EU in die Schweiz liefert, trifft auf weniger Wettbewerb als im deutschen Markt.
Was Sie brauchen, um aus DE oder AT in die Schweiz zu verkaufen
Der Schweiz-Import klingt komplizierter als er ist. In der Praxis brauchen Sie genau sechs Dinge – und die meisten davon sind einmalige Einrichtungsschritte.
Schweizer Steuernummer
Ab einem bestimmten Umsatz in der Schweiz brauchen Sie eine Schweizer MwSt-Nummer. Die Registrierung läuft online und dauert ein bis zwei Wochen. Eine Schweizer Firma ist dafür nicht notwendig – die Steuernummer reicht.
EORI-Nummer in Deutschland oder Österreich
Die meisten Webshops, die Waren aus Asien importieren, haben diese Nummer bereits. Falls nicht: Sie ist kostenlos beim Finanzamt zu beantragen.
Rechnungen ohne deutsche/österreichische MwSt
Lieferungen in die Schweiz sind Ausfuhrlieferungen und damit von der deutschen bzw. österreichischen Umsatzsteuer befreit. Rechnungen werden netto ausgestellt. Alle gängigen Shopsysteme – Shopify, WooCommerce, Magento – können das in der Shopkonfiguration abbilden.
Zolltarifnummer (HS-Code) für Ihre Produkte
Jedes Produkt muss für den Schweizer Zoll klassifiziert werden. Das klingt aufwändig, ist in der Praxis aber einmalige Arbeit. Wer bereits aus Übersee importiert, hat mit den Importpapieren einen guten Ausgangspunkt. Ein erfahrener Fulfillment- und Zollpartner hilft bei der korrekten Klassifizierung.
Vollständig endverzollter Versand (DDP)
DDP steht für “Delivered Duty Paid” und bedeutet: Der Händler übernimmt alle Importkosten – Zoll, Steuern, Gebühren. Für den Schweizer Kunden fühlt sich die Bestellung dann an wie ein Kauf in einem lokalen Schweizer Shop. Kein Nachverzollen, keine Überraschungen an der Haustür.
Das ist nicht optional, sondern Voraussetzung. Schweizer Kunden, die nach der Bestellung eine Zollrechnung erhalten, bestellen kein zweites Mal. DDP richtig aufzusetzen ist der wichtigste Schritt der gesamten Schweiz-Expansion.
Zuverlässiges Fulfillment in Grenznähe
Schnelle Lieferung ist im Schweizer Markt Standard. Idealerweise kommt alles aus einer Hand: Lagerung, Pick & Pack, Verzollung und Übergabe an die Schweizerische Post. Ein Fulfillment-Standort in Grenznähe – zum Beispiel in Vorarlberg – ermöglicht Next-Day Delivery in die gesamte Schweiz.
Die Zustellung über die Schweizerische Post ist dabei der Goldstandard: Sie garantiert absolute Vergleichbarkeit mit lokalen Shops und das höchste Vertrauen bei Schweizer Empfängern.
Was Sie NICHT brauchen – die häufigsten Irrtümer
Mindestens genauso wichtig wie das, was Sie brauchen, ist das, was Sie sich sparen können. Viele Händler überschätzen die Komplexität des Schweiz-Imports.
Kein Schweizer Lager notwendig. Wenn das Setup stimmt – schnelles Fulfillment in Grenznähe, eingespielter Zollprozess, Zustellung über die Schweizerische Post – brauchen Sie kein eigenes Lager in der Schweiz. Sie können aus Österreich oder Süddeutschland genauso schnell liefern wie ein Schweizer Versender.
Keine Schweizer Firma notwendig. Die Schweizer Steuernummer genügt. Sie können als deutsches oder österreichisches Unternehmen direkt in die Schweiz verkaufen, ohne eine GmbH oder AG in der Schweiz zu gründen.
Keine komplizierte internationale Buchhaltung. Die Schweizer MwSt wird einmal pro Quartal erklärt. Die Zusammenfassung geht an den DE/AT-Steuerberater. In der Praxis ist das weniger als eine Stunde Aufwand pro Quartal.
Die Schweiz-Formel: So rechnet sich der Markteintritt
Für Händler, die bereits in Deutschland oder Österreich verkaufen, sieht die Kalkulation in der Regel so aus:
| Faktor | Auswirkung |
| Höhere Verkaufspreise (Schweizer Preisniveau) | ca. +25 % |
| Geringere MwSt (8,1 % statt 19/20 %) | ca. +11 % |
| Import- & Versandkosten | ca. −5 % |
| Netto-Margenplus | ca. +31 % |
Diese Zahlen variieren je nach Produktkategorie und Versandvolumen. Bei Produkten mit hohem Warenwert – Fashion, Beauty, Nahrungsergänzung, Sport – fällt der Margenvorteil oft noch deutlicher aus.
DDP Versand in die Schweiz – Schritt für Schritt erklärt
DDP (Delivered Duty Paid) ist das Herzstück einer funktionierenden Schweiz-Logistik. So läuft der Prozess ab:
- Der Kunde bestellt im Shop. Der Preis ist inklusive aller Abgaben – der Kunde zahlt genau das, was er sieht. Keine Nachforderungen.
- Die Bestellung geht ins Fulfillment. Das Paket wird kommissioniert und versandfertig gemacht.
- Verzollung vor dem Grenzübertritt. Alle Zolldokumente werden vorbereitet: HS-Code, Warenwert, Absender- und Empfängerdaten. Der Zoll wird im Namen des Händlers abgewickelt.
- Übergabe an die Schweizerische Post. Das Paket überquert die Grenze bereits vollständig verzollt. Kein Aufenthalt beim Zoll, keine Verzögerung.
- Zustellung beim Kunden. Der Empfänger erhält das Paket wie eine normale Schweizer Bestellung. Kein Nachverzollen, keine Zollrechnung.
Entscheidend ist, dass dieser Prozess vollständig automatisiert abläuft. Ein eingespielter Fulfillment-Partner wickelt Hunderte dieser Sendungen täglich ab – für den Shop ist es nach der Ersteinrichtung kein operativer Mehraufwand.
Nächster Schritt: Schweiz-Expansion starten
Die Schweiz ist kein Abenteuer – sie ist ein kalkulierbarer Markt mit überdurchschnittlichen Margen. Wer die sechs Grundvoraussetzungen schafft, erschließt 8,7 Millionen kaufkräftige Kunden ohne eigene Niederlassung, ohne Schweizer Firma und ohne komplizierte Buchhaltung.
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